@werkBAR, 15.9.2023
Anwesend:
Vesna Tomse, Marcos Gajardo, Christian Häberli, Patrice Terreni, Margot Hausamann, Theo Schilter, Bernhard Parz, Madlaina Perl, Gieri Polli, Maja Koller, Albert Frölich (ab 21 Uhr)
Nach der Vorstellungsrunde, es sind wieder neue Gesichter anwesend, startet die Gruppe mit einem Blick zurück auf die vergangenen Stammtische. Dazu versammeln sich alle vor den entwickelten Karten und jeweils eine Person fasst die Diskussion und die Erkenntnisse aus dem entsprechenden Stammtisch zusammen. Daraus entsteht eine kurze Diskussion und die Möglichkeit Fragen zu stellen, respektive Ergänzungen aus eigener Sicht einzubringen.
Viele Anliegen der Anwohnenden, Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden wurden bereits am ersten Stammtisch „Chropfleerete“ angesprochen und thematisiert. Im Verlauf der verschiedenen Diskussionsrunden wurden viele Aspekte vertieft, Teilnehmende lernten die Sichtweise der anderen kennen; es entwickelte sich ein gegenseitiges Verständnis, ein gemeinsames konkretes Bild und mögliche Transformationsmöglichkeiten von Leutschenbach. Die vom Planungsteam Tomse/Gajardo aufgrund der jeweiligen Diskussion angefertigten Karten wurden an verschiedenen Anlässen weiterverwendet und leisteten gute Dienste: Zum Beispiel am 4. Juli 2023 im Schützenhaus an der Infoveranstaltung von Grün Stadt Zürich zur Aufwertung des Leutschenparks. Auch an den Neuzuzügeranlässen des Quartiervereins Seebach im GZ Seebach entstand aufgrund der Karte eine rege Diskussion über die Angebote, die Wege, die Gestaltung und die Vernetzung in Leutschenbach.
Im zweiten Teil des Abends haben sich die Teilnehmenden in einer offenen Gesprächsrunde über das weitere Vorgehen und die Kernpunkte für die Entwicklung von Leutschenbach ausgetauscht. Folgende Kernthemen können zusammengefasst werden:
Das Zentrum – der Leutschenpark
Der Leutschenpark bildet das Zentrum des Quartiers. Er überzeugt durch die Unabhängigkeit von den angrenzenden Wohnsiedlungen und Gewerben als Frei-, Grün- und Sozialraum. 2008 eingeweiht, wird er bis ins Jahr 2023 von keiner Gruppe (Anwohnende, Gewerbetreibende, Kulturschaffende) für sich beansprucht und eignet sich dadurch besonders als zukünftiges lebendiges Zentrum. Die geplante Aufwertung durch Grün Stadt Zürich wird von den Anwesenden begrüsst, jedoch soll eine aktive Partizipation der Ansässigen angestrebt werden.
Der Quartierentwicklungsstammtisch fand während des 5. Kunstdreieck Festivals am 15.09.23 statt, eines bereits traditionellen Festivals, das die Basis für eine verstärkte Vernetzung im neuen Wohnquartier gelegt hat. Ebenfalls im Rahmen des Festivals fand das erste Leutschenbachfest am 23.09.23 statt, das ein grosser Erfolg wurde. Es hat gezeigt, dass es möglich ist die Menschen herauszulocken und zusammenzubringen. Es wird mehr solche Anlässe brauchen, damit die Menschen im Leutschenbach noch offener aufeinander zugehen.
Die grundsätzliche Eignung des Parks als für Leutschenbach identitätsstiftendes Zentrum ist unumstritten. Besonders wichtig für die Entwicklung sind
● Eine gute Zusammenarbeit und Unterstützung von und mit dem Tasty Haus
● mehr Schatten
● bessere Entsorgungsmöglichkeiten (Umsetzung eines Entsorgungskonzepts)
● Standard Versorgung zum Beispiel mit Strom für die Bühne oder Wasser
● bessere öffentliche WC Anlagen
Das Kunstdreieck Festival
Es besteht Einigkeit darüber, dass dieser etablierte Anlass weitergeführt werden soll.
Die Sockelnutzungen
Am Beispiel der Sockelnutzungen wurde ersichtlich, wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen sind. Während das Gewerbe zum Beispiel beim Oerlikerhus oder in der Brauerei auf Zufahren und Lademöglichkeiten auch für grosse Lastwagen angewiesen ist, wünschen sich die Anwohnenden eher Dienstleistungen mit kleinem Flächenanspruch und Angeboten für den täglichen Bedarf. Diese Widersprüche konnten die Stammtische nicht auflösen, jedoch wurde das gegenseitige Verständnis verbessert.
In Leutschenbach gibt es Gebäude ohne öffentliche Sockelnutzung. Es wäre wünschenswert, wenn Eigentümer ohne öffentliche Sockelnutzung einen Beitrag an eine Quartierkasse und für die Soziokultur leisten würden. Diese Idee soll weiterverfolgt werden.
Die leerstehenden Bürogebäude
Leutschenbach wird zumindest entlang der Thurgauerstrasse von leerstehenden Bürogebäuden dominiert. Deren Zukunft ist unklar. Mit der Umsetzung des Gestaltungsplans Thurgauerstrasse wird das Angebot an Gewerberäumen weiter zunehmen. Aktuell fehlen Entwicklungsideen wie einzelne Gebäude z.B. nach dem Beispiel von “Gleis 70” in Altstetten umgenutzt werden können. Chancen in diese
Richtung sollten genutzt werden.
Die Wege und Identifikation mit der Umgebung
Die Zugehörigkeit zum Leutschenbach ist gegeben durch die starke Trennung der Bahnlinien und die Offenheit zum Glattpark. Eine räumliche Identifikation zu den Stadtquartieren spielt eine untergeordnete Rolle.
Irritierend ist dabei, dass die Verlängerung des Boulevard Lilienthal auf der südseitigen Langsamverkehrspur der Glattparkstrasse direkt auf einen Pfeiler der Hochspannungsleitung trifft. Dadurch ist die Fussgängerverbindung auf die Schärenmoosstrasse nicht in der Verlängerung des Boulevard Lilienthal, sondern versetzt dazu.
Die Teilnehmenden sind gespannt auf die Wiedereröffnung des Durchgangs am Riedgraben, welche mit dem Bezug der Wohnüberbauung Leutschenbach Mitte erfolgen kann.
Ebenfalls werden sich die Teilnehmenden für eine gute Anbindung des Grubenackers durch die beiden Baufelder C und D des Gestaltungsplans Thurgauerstrasse West einsetzen. Dabei wird auch die mögliche Verbindung des Langsamverkehrs an Seebach über das Gauss-Stierli Areal mit einer Unterführung weiter beobachtet.
Die zukünftige Organisation
Es wurde vorgeschlagen, einen Verein im Sinne eines Quartiervereins für Leutschenbach zu gründen. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Zum einen gibt es mit den vorhanden IG’s (z.B. Grubenacker, Andreaspark) bereits Vereine, die sich für die Interessen der Ansässigen einsetzen. Zum anderen soll keine ungewollte Konkurrenz zu den bestehenden Quartiervereinen in Seebach, Schwamendingen, Oerlikon und in Opfikon entstehen. Wichtig ist den Anwesenden, dass ein Interessenverein für Leutschenbach breit abgestützt ist und von Anfang an von möglichst vielen Vertretern aus den verschiedenen Wohnüberbauungen mitgetragen wird. Dass es eine Körperschaft braucht, die das bisherige lose Netzwerk in eine Struktur bringt und damit mit der Stadt Zürich auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann, ist unbestritten. Die Form und der physische Ort wie auch der Prozess hin zu einer solchen Vereinigung ist weiterhin unklar.